30.05.2018

Liebe Leute, in Kürze wird es eine neue Rubrik auf unserer  Homepage geben: „Musikzimmer“. Seit einiger Zeit gibt Martina Geigenunterricht, immerhin ist sie ausgebildete Musikpädagogin. Einige Schüler hat sie schon gefunden, aber es könnten noch mehr werden. Deshalb gibt es auch etwas Werbung und wer in Schwerin und Umgebung Menschen mit Lust auf Geigenunterricht kennt, möge diesen Tipp weitergeben.

 

 

 

05.03.2018

 

Vor einiger Zeit schneite ein junger Mann in unseren Laden und fragte an, ob es denn möglich sei, bei uns eine Lesung zu halten. Er hätte ein Buch geschrieben und würde sich gerne eine Lesereise durch den Norden zusammenstellen. Klar, sagten wir, Du bekommst unseren Laden, incl. der Bestuhlung und um den Rest kümmerst du Dich selbst. Das tat er prompt und deswegen kündigen wir an, dass am Sonntag den 25. März gegen 16:00 Gabriel Schekatz aus seinem Buch „Haleys Reise“ lesen wird. Kommen Sie doch mal vorbei, wenn Sie nicht gerade 500km Luftlinie entfernt wohnen und lassen sich überraschen. Wir sind auch gespannt, wissen nämlich genauso wenig wie Sie über dieses Buch. Und damit die Spannung nicht ins Unermessliche steigt, hier ein paar Angaben zum Autor:

Gabriel Schekatz, Jahrgang 1989, verwebt in seinem Romandebüt zahlreiche persönlich besuchte Orte in eine fiktive Geschichte. Der gebürtige Berliner hat in verschiedenen Teilen Deutschlands, Litauens und auch einige Zeit auf einer Schafsfarm in Wales gelebt.
Als Autor und Regisseur hat er eine Reihe von ausgezeichneten Kurzfilmen, Dokumentationen und Theaterstücken geschrieben und umgesetzt.

...und zum Buch:Haley Lewis wächst glücklich auf einer Farm in den walisischen Bergen auf. An ihrem 20. Geburtstag erfährt sie jedoch die Wahrheit: Sie wurde adoptiert, über ihre wahren Eltern ist nichts bekannt. Haleys Weltbild ist erschüttert.
Sie beauftragt den Detektiv Richard Stellter, der herausfindet, dass sie von Bankräubern abstammt. Die Mutter tot, der Vater auf der Flucht, die Beute nie gefunden. All das verheimlicht ihr Richard, denn er will den Schatz selbst heben. Dafür braucht er Haleys Hilfe.
Die Spur führt nach Irland.

Klingt irgendwie nach Krimi, findet Martina Weidner vom Antiquariat Loest

11.12.2017

 

Weihnachtszeit – schönste Zeit. Der nette Laden an der Ecke eignet sich wunderbar für Postdienste aller Art: DPD, Hermes, UPS und auch die liebe DHL liefern Pakete und Päckchen aller Art und finden am Vormittag natürlich unter der werktätigen Bevölkerung keinen Empfänger. Also ab mit dem Kram zum Altpapierhändler: “Können Sie bitte eine Kleinigkeit für Ihre Nachbarn  annehmen?“ Der gutmütige Antiquar nickt und schon häufen sich die Stapel. Gut, einen Vorteil gibt es: Der nette DHLer nimmt auch unsere Büchersendungen mit. Und da wird nicht geguckt, ob die Dinger mit Klammern postvorschriftsmäßig gepackt sind, damit jeder neugierige Postbeamte seinen Rüssel  zwecks Prüfung hinein stecken kann. Wäre ja auch ganz wichtig, denn Buchantiquare versenden möglicherweise  Anglerbedarf zum Büchersendungstarif.

 

Zurück in den vollgepackten Laden: Die erste Notbremse haben wir gezogen.  Für die Nachbarn werden nach wie Geburtstagspäckchen und ähnliches angenommen, aber keine Sendungen von AMAZON. Unser Buchbestand ist nicht bei Amazon gelistet und wir beziehen nichts über diese Bande. Warum sollten wir dieses fragwürdige Geschäftsmodell unterstützen? An der Ladentür steht jetzt „Amazonfreie  Zone“ und der Berg der angenommenen Lieferungen hat sich ein wenig verkleinert. Aber H&M, Zalando und Otto holen mittlerweile auf. Doch selbst wenn wir die Annahme auch dieser Massenware verweigern, steht doch der Hermesbote in der Tür und fragt:“ Herr Loest, können Sie bitte für Müllers die Sesselgarnitur annehmen?“

 

08.11.2017

 

Es ist soweit: Am 11.11.2017  findet zum 14. Mal in Schwerin die Veranstaltung „Eine Straße liest“ statt. Ursprünglich auf die Münzstraße begrenzt, weitet sich dieser Lesemarathon auf die Innenstadt aus. Erstmalig ist auch das Antiquariat R. Loest in der Körnerstraße dabei, ein Fliegenschiss von der Münzstraße entfernt. Aus seinem Werk „Prinz Schnaps“ wird der Leiter des Stadtarchives Dr. Bernd Kasten lesen. Es geht um die schwarzen Schafe im mecklenburgischen Fürstenhaus. Also die Trunkenbolte, Geldverschwender, Schwerenöter und Dummköpfe, die hier im Schweriner Schloss oder in Ludwigslust residiert haben. Beginn ist 18:00 Uhr, der Eintritt ist frei, aber eine Spende für UNICEF wird erwartet. Seien Sie uns herzlich willkommen. Martina Weidner und Robert Loest

 

14.09.2017

 

Wahlkampf im Antiquariat: Während die steuerfinanzierten Parteien mit ihren unsäglich platten Hochglanzplakaten die Straßen und Plätze verschandeln, hängt in unserem Schaufenster ein Plakat besonderer Art. „Wählt die PFGFIDSDG“, die Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze. 

Diese Partei hat kein geringerer als Jaroslav Hašek ins Leben gerufen, der Vater des braven Soldaten Schwejk. Als Ulkpartei  nahm sie vor dem ersten Weltkrieg die damaligen Wahlen auf die Schippe. Es gab ein hübsches Programm (s. unten), eine Hymne  und wie es sich für eine ordentliche Partei gehört, auch einen Schlachtruf.

Schlachtruf der Partei wurde das Kürzel „SRK“, was offiziell für „Solidarität, Recht und Kameradschaft“ stand, in der Parteipraxis aber Sliwowitz, Rum und Kontuschowka (Kräuerschnaps) bedeutete.

Das Wahlprogramm des Kandidaten für den Wahlbezirk Weinberge, Jaroslav Hašek, umfasste sieben Punkte:

1. Die Wiedereinführung der Sklaverei.

2. Verstaatlichung der Hausmeister („auf die gleiche Weise wie in Rußland [..], wo jeder      Hausmeister gleichzeitig ein Polizeispitzel ist“).

3. Die Rehabilitierung der Tiere.

4. Die Einrichtung von staatlichen Anstalten für schwachsinnige Abgeordnete.

5. Die Wiedereinführung der Inquisition.

6. Die Unantastbarkeit der Geistlichen und der Kirche („Falls ein Schulmädchen von einem Geistlichen defloriert wird“).

7. Die obligatorische Einführung des Alkoholismus.

Das Antiquariat Loest schließt sich den Forderungen der PFGFIDSDG mit geringen Einschränkungen an und  fordert die Subventionierung aller Buchantiquariate, besonders die  in Schwerin ansässigen. Wir werden die Neugründung der Partei beschleunigen und zur kommenden Bundestagswahl antreten. Ihre Stimmen sind erwünscht, als  Geschenk erhalten Sie - wie damals - ein Taschenaquarium.

 

 

18.05.2017

 

Eine ältere Frau kommt hereingeschneit. Mehrere Ordner mit Filmprogrammen, teilweise Vorkrieg, ansonsten aus Deutschland Ost und West. "Herr Loest, ich habe keine Verwendung mehr dafür, wollen Sie die geschenkt haben?" "Naja", sagt der Antiquar gönnerich, "für den Müll sind sie wirklich zu schade, stellen Sie mal hin." Die Dame geht buchstäblich erleichtert von Dannen und der neugierige Altpapierhändler betrachtet sich das Geschenk. Von James Bond bis Claudia Cardinale, Gojko Mitic und ganz ganz viele andere Berühmtheiten. Dazu Bilder von Schauspielern samt Autogramm - eben alles, worin eine Sammlerin ihr Herzblut fließen läßt. - Da freut sich der Antiquar und gelobt, bei einem Wiedersehen die gute Frau mit einem netten Krimi oder Fortsetzungsromanen zu beglücken.

Heute war sie wieder da und ich sprang schon auf, um die bereitgestellten Bücher zu holen. Aber sie meinte nur: Na, hat sich schon jemand für die Programme interessiert? Nö, meinte ich, bisher noch nicht. - "Ach", sprach sie, "da nehme ich sie wieder mit. Ich werde es mal auf dem Flohmarkt damit probieren. Vielleicht kommt da noch was rum". Mit einem tränenden Auge ließ ich sie samt Mappen ziehen. Aber wann ist eigentlich der nächst Flohmarkt?

 

03.05.2017

 

Kommt heute ein Kunde in den Laden und möchte etwas von H. Böll. Und zwar "Die verlorene Ehre der Katharina Blum". Ja, gesehen hatte er neulich diesen Film im "Kino Unterm Dach" in Schwerin und wollte nun mal wissen ...

Aber ja, das Buch haben wir und hatten auch einen Newsletter zu diesem Film - für unser Kino - geschrieben. Newsletter?? So sieht ein NL zum Film aus:

 

Sehr geehrte Newsletter-Empfänger,

was verstehen Sie unter dem Wort MORAL?Eilen sie nicht zur Wikipedia, dies habe ich Ihnen bereits abgenommen und zitiere folgendes: „Moral…ein Regel- und Wertesystem, welches gewachsen ist aus kulturellen und religiösen Erfahrungen“ . Klingt gut, klingt versöhnlich, aber kennen Sie die abgedroschene Phrase: “Moral regelt das Zusammenleben der Menschen, würden wir uns doch ohne dieses die Köpfe einschlagen, uns beklauen, es gäbe Mord und Totschlag, ein Hauen und Stechen“. Sagt MAN. Sagt wer?

 

Ich stelle diese Behauptung immer wieder in Frage. Warum passieren Veränderungen überkommener Moralvorstellungen meist schmerzhaft und unter Aufbegehren? Warum bedarf es dafür Revolutionen, Revolten? Wer klammert da an alten Zöpfen und ist nicht bereit, etwas abzugeben oder gar zu verändern? Wer bestimmt die Werte, schreibt die Regeln?

Moral als Machtinstrument , um all die, die nicht im Gleichschritt marschieren abzustrafen, anzuprangern und um damit letztendlich Überlegenheit zu demonstrieren?

Wohl dem, der auf der „richtigen“ Seite lebt. Katharina Blum tut es nicht, aber ich will nicht vorgreifen, sondern hier nur kurz die Szene beschreiben.

Die BRD in den 70er Jahren. Die facettenreiche 68er Studentenrevolte mäandert sich nur zäh in das Bewusstsein des gutbürgerlich, satten Wirtschaftswunderdurchschnittsmenschen. Der Zorn über die Diktatur des Kapitals, Seilschaften des Dritten Reiches und ungesühnte Verbrechen der Nazizeit brodelt im Untergrund, aggressiv und hilflos. Ende Juni 1972, zwei Jahre nach ihrer ersten Aktion, saß bereits die gesamte Führungsriege der ersten RAF-Generation im Stammheimer Knast.

Zurück zu Katharina B.: Sie sitzt auf dem Karussell der morbiden Gesellschaft und es rotiert unaufhaltsam. Wer hetzt auf, manipuliert, schürt Hass, hält die Kacke am Dampfen? Wer ist das Bindeglied zwischen dem nach Sensation gierenden und vor Genugtuung triefenden Pöbel und dem Staat mit seinen marionettesken Schergen und einflussreichen Lenkern im Hintergrund? Schlüsselfigur des Geschehens ist „DIE ZEITUNG“ und hier gilt: „Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der >BILD<-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“

Bleibt die Frage nach der MORAL von der Geschicht´. Für mich verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse. Aus Opfern werden Täter und diese zu Opfern. Nach welchen moralischen Maßstäben bewerte ich die Tat einer Verzweifelten?

Seien Sie uns herzlich willkommen, sagt die Verfasserin dieses Newsletters, die sich sehr auf den Film freut. Auch deswegen, weil wieder mal auf prähistorische Art Kino zelebriert wird. „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ auf Zellluloid! Ein fossiler Filmprojektor aus den tiefen 70ern wurde aktiviert, inklusive Dompteur Uwe. Er schnauft ein wenig (der Projektor) und knattert gemütlich vor sich hin. Erinnern Sie sich an dieses anheimelnde Geräusch?

Leiten Sie diesen Newsletter weiter an alle, die sich für politische und gesellschaftliche Themen interessieren. An die, die schon einmal ordentlich an den Kanten der Gesellschaft angeeckt sind und an all die, die sich dies nie trauen würden. An die, die hinter den Gardinen lunsen und ihr Hirn am Zeitungskiosk abgegeben haben und an all die, die nicht müder werden sich über derartige Zeitgenossen aufzuregen.

 

PS.: Etwas, was ich Ihnen nicht vorenthalten wollte: Manchmal sagt ein Bild mehr als hundert schöne Worte. Nämlich dann, wenn es gelingt einen oder mehrere Gedanken auf den Punkt zu bringen.

 

 

 

02.05.2017

Beim Denken  an den kommenden Urlaub, der diesmal nicht so teuer sein sollte, kam mir folgende Idee: Man nehme einen „Griebens Reiseführer“ von Rügen aus dem Jahr 1915 und wandle auf dessen Spuren. Ich blättere und stelle fest: Aha, den Rügendamm gab es noch nicht, also mit der Dampffähre rüber. Toll, da spürt man erst einmal richtig den Inselcharakter. Eisenbahnen? Gab es schon. Also los, Richtung Binz, da kenne ich mich aus. War ja schließlich 18 Monate nebenan im „Kraft durch Freude – Naziheim“ in Prora, nur eben als NVA- Soldat ein paar Jahrzehnte später.  Aber nun ab ins „Hotel Kaiserhof“, laut Reiseführer das „vornehmstes Haus am Platz“, mit elektrischem Licht, Telephon Nr. 8. Da waren also 7 Anschlußbesitzer fixer. Z.B. das Pensionat Seeschloss neben an, mit der Telephon Nr. 1.

 

Nun sitze ich mit meiner Gefährtin in der Glashalle mit Seeblick, sie mit Hut und Zobelfell um den Hals, eine Elfenbein-Zigarettenspitze zwischen den grell geschminkten Lippen. Ich selbst im Frack mit silberner Taschenzwiebel, Schnurrbart wie unser Kaiser, natürlich schmerbäuchig. Wir trinken einen Calvados, was sich in Kriegszeiten gegen Frankreich eigentlich nicht gehört, hören Grammophonmusik vom Feinsten. Und da stört es gar nicht, dass dieser zwölfjährige Knabe uns gegenüber an seinem Smartphone herumdaddelt …

 

 

 

 

23.04.2017

Sonntäglicher Spaziergang über einen Schweriner Flohmarkt: Die Jagd nach antiquarisch verwertbaren Büchern gestaltete sich noch vor 10 Jahren als in der Regel erfolgreich. Der eine oder andere interessante Band linste unter den Konsaliks hervor und der Bücherjäger freute sich über den glücklichen Fang. Heute googeln die Flohmarktverkäufer bei Amazon über den Handelswert ihrer Schwarten und bieten  selbst im Netz an. Übrig bleibt das, was Momox nicht einmal für 15 Cent ankaufen möchte. Der Antiquar wendet sich angewidert ab. Doch da: Ein Buch von Oliver Uschmann. Noch nie gehört? Hier unsere erste Buchempfehlung. Das Buch heißt „Murp“,  hat Tiefgang, tagesaktuell, regt zum Denken an, wobei die Lachtränen kullern.